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Aus dem Leben
Straßenkampf
Das Thema „Gewalt in der Öffentlichkeit“ war ,hervorgerufen durch Ausschreitungen Jugendlicher in München und anderswo, vor einigen Wochen in allen Medien überpräsent. Inzwischen hat sich die Aufmerksamkeit wieder anderen Themen zugewandt. Nachfolgend deshalb ein Bericht, der eine derartige Szene aus unserer unmittelbaren Nachbarschaft zeigt und deutlich macht, wie der Verfasser die Situation empfunden hat. Dabei ist es wichtig, nicht nur über die Aktionen der Beteiligten nachzudenken, sondern sich zu verdeutlichen, dass man sich auch als Unbeteiligter auf mögliche Gefahrensituationen (in diesem Fall besonders im öffentlichen Nahverkehr) vorbereiten muss. Das betrifft besonders die Bereiche Aufmerksamkeit und vorausschauendes Handeln. Der Bericht ist nicht redigiert, um authentisch zu bleiben.Schliesslich wird hierzu bereits genug verdrängt. Oss dirk

Berlin-Ost, Spätherbst 2007.

Wie in fast allen Fällen einer Schlägerei ist der Grund, welcher gleichzeitig meist ein nichtiger ist, nach dem ersten Schlagabtausch vergessen und der Kampf wird zu einem unkontrollierbaren Zustand, bei dem es nur noch darum geht, wer am Ende auf der Straße liegt und wer noch stehen kann.
Auch auf diese Auseinandersetzung ist der erste Satz übertragbar, schrecklicher jedoch war die Auseinandersetzung für sich, welche sich nicht in einem eins gegen eins, sondern in einer Massenschlägerei äußerte, welche nicht einmal die Polizei Herr werden konnte.

Rund 60 Mann standen sich gegenüber; 40 auf der einen, 20 auf der anderen Seite. In solch einem Kampf, der unmöglich zu überschauen ist, ist es zunächst von höchster Wichtigkeit Personen aus dem Pulk zu holen, die dort nichts zu suchen haben: das bedeutet Unschuldige und Mädchen.
Der Kampfplatz selbst erstreckte sich zu beginn über ca. 100Meter, wobei der Standort oft gewechselt wurde und später ein Kilometer Luftlinie zwischen Beginn und Ende standen.

Natürlich spielte auch in diesem Fall Alkohol eine große Rolle, der jegliche Vernunft aus den Köpfen der Agierenden trieb.
Der Prozess der Auseinandersetzung war selbst ein schleppender.
Zunächst belief sich das Ganze auf bloße Beleidigungen, die von beiden Seiten geworfen wurden, und kurzzeitigen Schlagabtauschen zwischen einzelner Feinde, welche hastig und ohne groß Wirkung zu erzielen, getätigt wurden. Dabei muss man sich vor Augen führen, dass beide Parteien oft nur Zentimeter von einander entfernt waren und teilweise sogar gemischt standen.
Nach der ersten Stunde schien sich das Ganze irgendwie von selbst aufzulösen, die Party war mittlerweile abgebrochen wurden, Polzei war vor Ort( griff jedoch auf Grund von Unterlegenheit nicht ein) und auch jene, welche was abbekommen hatten, waren entweder ruhig gestellt, oder bereits nicht mehr vor Ort. Verletzte gab es vor allen Dingen auf meiner Seite, was sich in blutigen Lippen, blauen Augen und anderen Schwellungen im Gesicht äußerte.
Nachdem man seine Engsten zusammengetrommelt hatte, ging es weiter zur Straßenbahn( keinem wurde erlaubt alleine nach Hause zu fahren) und auch auf dem Weg dahin fand man noch den ein oder anderen.
An der Haltestelle angekommen stellten wir nun fest, dass rund zwölf unserer Feinde den gleichen Weg gewählt hatten und schon hier wurde mir bewusst, dass das kein gutes Ende nehmen konnte. Nachdem die Straßenbahn nach langer Wartezeit endlich kam, bildeten sich in der Bahn  sofort wieder zwei Fronten, die sich höchstaggressiv artikulierten.
Leider muss ich sagen, waren es Leute aus den eigenen Reihen, die das Fass zum überlaufen brachten. Ich stand in der ersten Reihe, als die Welle der Gegner auf die hinteren Reihen unserer Leute stürmen wollten. Gegenüber ein Bekannter von mir, der genau wie ich versuchte die Masse davon abzuhalten völlig durchzudrehen. Obwohl wir auf verschiedenen Seiten standen, hatten wir das gleiche Ziel - Deeskalation.
Verständigen konnte man sich nur noch durch Schreie und irgendwann konnten wir die Masse nicht mehr aufhalten. Mein Freund verließ die Straßenbahn( er hatte auch provoziert) und drei Leute sprangen ihm sofort hinterher, währenddessen die anderen 9 die Verfolgung eher "gelassen" aufnahmen. Zu diesem Zeitpunkt noch bat ich meinen Freund schleunigst von hier zu verschwinden und befand mich zwischen ihm und den drei Angreifern. Nachdem er meiner Aufforderung endlich nachkam und davonrannte, hatten die drei die Absicht bereits erkannt und rannten hinterher.
Dies war der Moment, indem ich erkannte, dass eine härtere Auseinandersetzung nicht mehr auszuweichen war. Während mein Freund bereits beinahe eingeholt wurden war und sich mitten auf einer riesigen Kreuzzung befand, rannte ich nun selbst hinter den 4 hinterher. Mein Kumpel wurde also eingeholt von einem der Angreifer, konnte ihn sich jedoch vom Leib halten; ich sprang kurze Zeit später hinterher und gab dem Aggressoren einen Schlag auf den Hinterkopf. Dieser taumelte im Halbkreis von mir weg und sah sich benommen um.
Ich war nun in Rage, warf meine Jacke weg, riss mir den Rucksack vom Rücken, warf das ganze auf die Straße( die ersten Autos näherten sich bereits, was jedoch keine Rolle spielte)  und forderte den Bastard( entschuldigt meine Ausdrucksweise) zum 1on1. Hinter diesem näherten sich bereits die restlichen 8.
Leider wurde meine Herausforderung nicht angekommen, stattdessen fanden sich 3, die zu den Straßenbahnschinen gingen, Steine nahmen, und nach uns warfen.
Wir warfen uns ins nächste Gebüsch und wurden zum Glück nur leicht getroffen.
Danach traff nun auch endlich Polizei ein und die Menge verflüchtigte sich.
Der lange Arm der Gerechtigkeit waltete später.

Die ganze Aktion dauerte an die 2-3 Stunden und hat teilweise bis heute noch Nachwirkungen, was sich in Anklagen bzgl. Körperverletzung und/oder Sachbeschädigung zeigt.

 
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