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Die eigenen Voraussetzungen
Ein Blick in die Welt lässt uns eine unglaublich große Vielfalt an Dingen sehen. Selbst auf dem kleinen Teilgebiet des Sports gibt es mittlerweile unzählige Sportarten, zwischen denen die Menschen wählen können, wenn sie denn möchten. Hier wird den verschiedenen Interessen und grundlegender noch den verschiedenen Typen von Menschen Rechnung getragen. Wer die intellektuelle Herausforderung sucht, wird sich dem Schach zuwenden; wer sich auspowern möchte, wird einen Squash-Court betreten. Der Teamspieler schließt sich einer Volleyballmannschaft an, während der Einzelkämpfer sich im Judo versucht.

Was bist du für ein Typ?

Bevor ich zu den sv-spezifischen Details der "eigenen Voraussetzungen" schreibe, möchte ich an dieser Stelle einen zentralen Punkt mit ungewohnt klaren und an dich als werten Leser direkt gerichteten Worten ansprechen: Nachdem du nun monatelang bereits die Technik des Monats verfolgst - wie oft hast du da die vorgegebenen Übungsserien ausprobiert. Wie viele Übungen sind nach der langen Serie "Sicher unterwegs in Laos" in dein Leben integriert?

Selbstverteidigung muss gehegt und gepflegt werden. Der erste Schritt ist das Erlernen. Würde es ausreichen, Techniken nur durch Sehen zu verstehen und zu verinnerlichen, hätten wir nach der Weltmeisterschaft im Fussball ein Land voller Profi-Fussballer. Jedem sollte klar sein: Übung macht den Meister. Die Selbstverteidigung bildet hier keine Ausnahme. Wenn du nun also feststellen musst, dass du mit Begeisterung die Technik des Monats verfolgst, aber noch nie ausprobiert und nicht eingeübt hast, dann stelle bitte ebenso fest, dass du Selbstverteidigung zwar mal gesehen hast, aber selbst nicht beherrschst! In dem Fall bist du herzlich eingeladen, auch weiterhin die Technik des Monats mit Begeisterung zu lesen. Anwenden allerdings kannst du sie mit großer Wahrscheinlichkeit nicht.

Warum sage ich diese klaren Worte?

Es gibt leider kaum etwas schlimmeres als zu denken, dass man etwas beherrscht, was man nicht kann. Ich selbst habe in meiner Vergangenheit zahlreiche Personen kennen gelernt, die dachten, etwas zu beherrschen. Glück für sie, dass sie nie einem Test unterzogen wurden. Für uns als Personen, die ehrlich Selbstverteidigung betreiben wollen, beginnt dies aber auch mit der Ehrlichkeit zu uns selbst.



Wenn du festgestellt hast, dass du mit Begeisterung die Technik des Monats verfolgst und anschließend ausprobierst, nähern wir uns nun langsam der sv-relevanten Frage, was du für ein Typ bist.

Warum ist es wichtig zu wissen, was man für ein Typ ist?

Anbringen möchte ich an dieser Stelle ein Zitat von Sunzi (Die Kunst des Krieges):

"Wenn du dich und den Feind kennst, brauchst du den Ausgang von hundert Schlachten nicht zu fürchten.
Wenn du dich selbst kennst, doch nicht den Feind, wirst du für jeden Sieg, den du erringst, eine Niederlage erleiden.
Wenn du weder den Feind noch dich selbst kennst, wirst du in jeder Schlacht unterliegen."


Dieses Zitat möchte ich nun ein einem sehr weiten Sinne aufgreifen und auf die vorangegangenen Aussagen beziehen:

1. Die eigenen Fähigkeiten
Wer die Vorwärtsfallschule nicht geübt hat, wird sie im Ernstfall nicht erfolgreich anwenden können. Wer die Armbefreiung nicht verinnerlicht hat, wird in der angespannten Situation nicht die nötige Lockerheit für die Technik aufbringen können.
Kurz gesagt: Wer kein stabiles Fundament an Techniken bei sich hat, wird es nicht benutzen können und im Ernstfall scheitern.

Die einzige Variante für diesen Fall ist es, ehrlich zu sich zu sein, im Vorfeld zu erkennen, dass man im Fall des Falles nicht auf die Selbstverteidigung zurückgreifen kann und sich entsprechend seinem Schicksal kampflos ergeben muss.

2. Die eigenen Vorlieben
So wie einige Pflanzen auf kargem und andere auf nährstoffreichem Boden gedeihen, so haben auch wir Menschen unsere Vorlieben und es gibt eine Grenze, bis zu der wir uns verbiegen können. Jenseits davon werden wir unglücklich. Wie wir es in eine der vergangenen Texte gesagt haben, geht man mit der Selbstverteidigung einen Bund für das Leben ein. Wenn du bislang keine Technik des Monats ausprobiert haben solltest, dann gibt es dafür einen Grund. Dann ist die Selbstverteidigung vielleicht nichts für dich.

Wenn du die Fallschule magst, dich aber mit den Faustschlägen nicht anfreunden kannst, dann ist das in Ordnung. Die Selbstverteidigung ist so vielfältig wie die Personen, die sie betreiben. Du magst Faustschläge nicht? Dann suche dir eine Alternative. Wer ein wenig "verrückt" ist - ich bin Informatiker und ich weiß, wovon ich rede ^^ - der kann das auch verwenden. Wichtig ist nur, dass man ehrlich mit sich ist und bleibt.

3. Authentizität
Es gibt zahlreiche Methoden, mit bedrohlichen Situationen umzugehen. Das Tierreich ist voll von verschiedenen Überlebensstrategien vom "Todstellen" bis hin zum sich "größer-als-man-ist"-Machen. Wichtig ist, dass man authentisch ist. (Dazu möchte ich die Geschichte der Kampfkatze empfehlen.) Ernst zu nehmende Gegner erkennen Bluffs. Nicht ernst zu nehmende Gegner sind vielleicht gewillt, es darauf ankommen zu lassen. Du kannst bluffen, aber wenn du keinen Plan B parat hast, kann auf deinem Bluff schnell ein echtes Problem heranwachsen.

Schlusswort

Kannst du schnell laufen und gehst regelmäßig joggen? Dann baue darauf deine SV-Strategie auf. Halte deinen Körper fit, trainiere deine Aufmerksamkeit und vermeide Gegenden und Situationen, in denen du deinen Joker nicht ausspielen kannst. Du bist von Beruf Schauspieler? Dann lege dir zwei, drei Rollen parat, die du je nach Situation auspacken und abspielen kannst, ohne darüber nachzudenken. Wenn du allerdings nicht gerne joggst, trainiere in deiner Freizeit SV, damit du im Ernstfall als Plan B darauf zurückgreifen kannst.

Finde Lösungen, mit deinen Schwächen umzugehen, aber arbeite an deinen Stärken und baue primär sie weiter aus.

Es gibt kein Konzept, keinen starren Fahrplan, der uns zu den unbesiegbaren Selbstverteidigungskünstlern macht. In unserem ersten Bericht haben wir es gesagt: Es gibt keine Garantien! Es ist wichtig, seine Stärken weiter auszubauen. Dafür muss man sich kennen. Dies kann man erreichen, in dem man durch die Welt geht - sich in vielen Situationen erlebt. Training erzeugt künstlich Situationen und bietet, gezielt gesteuert durch einen Trainer, der weiter als man selbst sehen kann, den gleichen Effekt.

Abschließend möchte ich dennoch ein paar Punkte nennen, die wir als Karateka neben der Technik für sv-relevant erachten:
1. Unbedingten Willen,
2. ein gewisses Maß an Schauspielkunst,
3. Selbstvertrauen,
4. Kontrolle über die eigene Angst und
5. körperliche Fitness.
Anmerkung: Da wir frech einfach mal davon ausgehen, dass du bislang nicht so intensiv geübt hast, wie es für eine erfolgreiche Anwendung der Techniken in einer ernsten Situation nötig ist, möchten wir dir nun die nötige Zeit geben, dich nochmals intensiv mit den Techniken auseinander zu setzen. Wenn du damit fertig bist, melde dich bei uns. Dann machen wir eine neue Serie :)

Übungsserie

Finde und gehe deinen Weg :)
 
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